Konfliktsituationen mit Kindern meistern

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Konflikte. Sie gehören zu unserem Leben dazu wie Luft und Wasser. Sie sind ein Teil unserer menschlichen Kommunikation und Interaktion mit anderen Personen. Daher können sie auch überall auftreten, wo Menschen aufeinander treffen. Bei dem Einen treten sie schneller auf, beim Anderen langsamer. Bei Kindern geht es oft sogar so schnell, dass für uns Erwachsene der Grund auf dem ersten Blick nicht erklärbar scheint. Daher ist es sehr schwierig, Konfliktsituationen souverän zu meistern oder schon vorher passend zu reagieren, sodass erst kein Konflikt entsteht. Oftmals steckt hinter einem Weltuntergang eine sehr einfache Lösung, wenn die Kinder ihre eigenen Probleme selbst lösen können.

Für Kinder sind diese Konflikte ein wichtiger Schritt zum Erwachsenwerden. Sie können lernen, die eigenen Emotionen und Gefühle unter Kontrolle zu halten. Für Sie als Elternteil gilt eines: Versuchen Sie stets eindeutig/klar aber fair zu bleibe! Treffen Sie immer Entscheidungen für das Wohl Ihres Kindes.

 

Konfliktsituationen als Schritt zum Erwachsenwerden

Vermutlich freut sich niemand, wenn er sich gerade in einer unvermeidlichen Konfliktsituation befindet. Kinder können ihre Eltern hier sehr gut auf die Geduldsprobe stellen. Wichtig dabei ist, dass die Konflikte und der entstandene Trotz nicht Mama und Papa gelten, sondern eine Reaktion auf viele neue negative Eindrücke und Erfahrungen ist.  Schließlich ist die Welt erst einmal ganz ganz schlecht, wenn sie sich nicht so dreht, wie das Kind es gerne hätte.

Ab einem gewissen Alter ist es dennoch ganz normal und auch wichtig, dass Kinder Konflikte anstiften, denn es ist ein erster Entwicklungsschritt. Ihr erster Schritt zum Erwachsenwerden. Jeder kleine Mensch erst einmal daran gewöhnen, dass das Leben nicht immer ein Wunschkonzert ist. Wichtig ist hierbei, diesen Zeitraum nicht als Kampf zwischen Eltern und Kindern zu sehen, sondern als ganz natürlichen Entwicklungsschritt. In dieser Phase lernt Ihr Kind, wie es die eigenen Emotionen unter Kontrolle halten kann. Idealerweise gewöhnen es schon sehr früh daran, dass sich nicht die ganze Welt nur um sich dreht.

 

Gründe für Konfliktsituationen

 

Eigene Vorstellungen
Wenn einmal etwas nicht so läuft wie gewünscht oder wenn es einfach andere Vorstellungen hat, kann das Kind sehr leicht und schnell wütend werden. Eine Kleinigkeit kann schon einen Weltuntergang bedeuten. Wünscht sich das Kind beispielsweise Schokolade zum Nachtisch und Sie servieren stattdessen Obst, dann ist möglicherweise kein Nachtisch mehr gewünscht. Wenn schlimmstenfalls mit dem Essen auch noch herumgeworfen wird, ist das Chaos perfekt.

 

Machtkämpfe
Mit solchen oder anderen Aktionen will der oder die Kleine Ihre Überlegenheit auf die Probe stellen. Mit einem Konflikt oder einem kleinen Wutausbruch will das Kind Druck ausüben, um so den eigenen Willen durchzusetzen. Kinder loten immer wieder Grenzen aus, weitere Rollen und Rechte aushandeln, eine Rangfolge bestimmen und in ihrem gedanklichen Gefüge selbst möglich hoch oben sein. Durch Konflikte möchte es Machtkämpfe für sich entscheiden, damit es sich selbst größer und stärker fühlt.

 

Achtsamkeit
Ein möglicher Grund für Konfliktsituationen ist, dass das Kind nach mehr Aufmerksamkeit sehnt. Aufmerksamkeit können sie sich nicht nur von den Eltern holen, sondern auch bei ihren Spielpartnern und Freunden.

 

Konfliktsituationen souverän meistern

 

Analysieren Sie die Situation und die Gefühle gemeinsam
Gibt es Streitigkeiten, dann brauchen Kinder zuerst meist Verständnis und Trost von den Erwachsenen, die ihnen dabei helfen, die aufgebrachten Gefühle wieder unter Kontrolle zu bringen. Sie brauchen ein offenes Ohr. Ab ca. dem vierten Lebensjahr ist es wichtig, die Situation gemeinsam zu analysieren und die Kleinen über ihre eigenen Emotionen reden zu lassen. So lernen Kinder, ihre Gefühle auszudrücken anstatt zu unterdrücken. Sie lernen, wie sie durch die Sprache Konflikte schlichten und reflektieren können. Ebenso können sie vorhandene (Spiel-)Regeln leichter durchschauen.

 

Unterstützen Sie das Kind beim Finden eines Lösungsweges
Eltern und Erwachsene sehen es oft als ihre Pflicht an, Konfliktlösungen aufzuzeigen. Das Problem hierbei ist, dass Kinder oft die Zusammenhänge noch nicht verstehen, warum genau diese Lösung nun helfen soll, fühlen sich missverstanden und stoßen so eher auf Unverständnis und Widerstand. Immerhin bedeutet es in den Augen des Kindes, dass es von ihren eigenen Interessen Abstand nehmen muss, um die Ideen des Erwachsenen umzusetzen. Durch die bereits vorhandene Lösung können sich die Kinder nicht mehr selbst mit dem Inhalt des Konflikts auseinandersetzen, einen eigenen Lösungsweg zu finden oder einfach sich selbst auszuprobieren. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, einen eigenen Lösungsansatz des eigentlichen Problems zu finden.

 

Seien Sie konsequent
Besonders wenn Ihr Kind rebellisch ist und nicht auf Sie hören will, gilt: Seien Sie Konsequent. Bleiben Sie beim “Nein”, wenn das Kind beispielsweise die weiße Wand anmalen will oder zu treten oder schlagen beginnt. Machen Sie es für das Kind auf eine Art und Weise verständlich, warum es diese Dinge nicht machen darf. Nicht nur dieses Mal, sondern auch beim nächsten Mal, wenn dieselbe Situation noch einmal auftreten sollte. Versuchen Sie stets eindeutig/klar aber fair zu bleiben. Seien Sie ein Vorbild und halten sich selbst auch an die aufgestellten Regeln.

 

Die Kunst des Liebens

Konflikte und Wutausbrüche der Kinder können Eltern oft an den Rand des Wahnsinns treiben. Auch wenn es noch so schwierig zu sein scheint, ist es sehr wichtig, die Nerven zu bewahren und möglichst ruhig zu bleiben, sodass sich Kinder sicher und gut aufgehoben fühlen. Das A und O der Eltern-Kind-Beziehung ist stets ein respektvolles und liebevolles Miteinander zu pflegen. Vergessen Sie nie, auf die Bedürfnisse der Kleinen einzugehen, aber dennoch gemeinsam Lösungen in Konfliktsituationen zu finden. Das stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kind und ist sehr wichtig für die spätere Entwicklung.

 

 


Mein Name ist Robert Karbiner. Seit 1997 arbeite ich als Psychotherapeut und verfüge über viel Erfahrung in der Arbeit mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Ich bin ausgebildeter Psychotherapeut, Supervisor, Coach, systemischer Familienberater, Lebens- und Sozialberater, Anti-Gewalt-Pädagoge, Trainer und Buchautor

Meine Online Kolumne soll Menschen helfen und Ratschläge zur Selbsthilfe bieten. Dennoch erfolgen die Angaben ohne Gewähr. Wenn Sie sich bei der Bearbeitung eines Problems nicht sicher sind oder unklare Begleitumstände auftreten, sollte umgehend fachlicher Rat eingeholt werden. Für eventuelle Nachteile, die aus praktischen Hinweisen und/oder Übungen resultieren, kann der Autor keine Haftung übernehmen. Jeder Leser muss in Eigenverantwortung entscheiden, ob er beschriebenen Übungen und Anregungen ausprobieren möchte. Sollten Sie Fragen haben oder Hilfe benötigen, kontaktieren Sie mich unter 0699 10 322 362 oder r.karbiner@utanet.at.

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